Aktienrückkauf - Zeitpunkt

 Klaus Peter Hölzl,  - Beitrag von Klaus Peter Hölzl, - am 12.10.2011.
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Sehr geehrter Herr Dr. Zehetner, die Entwicklung der Gesellschaft - dank Ihres Managements - ist ja sehr positiv und in vielen Belangen teile ich Ihre Ansichten. Mich würde nun interessieren, wie Sie zum Thema Aktienrückkaufprogramm stehen, denn gerade jetzt würde meiner Ansicht nach ein sehr geeigneter Zeitpunkt dafür sein!
Dr. Eduard Zehetner, CEO - IMMOFINANZ AGDr. Eduard Zehetner, CEO - IMMOFINANZ AG, 30.10.2011

Sehr geehrter Herr Hölzl,

vorerst ersuche ich um Entschuldigung für die späte Antwort. Die - technischen - Gründe hierfür wurden Ihnen, wie mir berichtet wurde, bereits telefonisch erläutert.

Wir haben uns in der letzten Hauptversammlung, wie Sie wissen, wiederum ein Aktienrückkaufprogramm genehmigen lassen.

Aktienrückkäufe sind für das Unternehmen dann sinnvoll, wenn
a) genug Überschussliquidität vorhanden ist, und
b) keine anderen Investitionsmöglichkeiten gegeben sind.

Derzeit ist jedenfalls die Bedingung a) nicht erfüllt, weil wir demnächst eine Zahlungsverpflichtung aus dem Ankauf der zweiten 50% von Rostokino haben, im Jänner die Put-Option der 2014er Anleihe zu erwarten haben (im November darauf übrigens die 2017er) und in 2012 auch eine Tranche des Syndicated Loans zu bedienen ist.
Bedingung b) ist auch nicht gegeben, weil wir Optionen wie bei Rostokino haben, Immobilien(anteile) zu erwerben, die bei 11,5% rentieren und wo eine sog. "yield compression" erwartet wird, also steigende Preise.

Darüberhinaus haben wir extrem volatile Märkte, täglich werden Finanzierungskonditionen, die gestern noch fix verhandelt waren geändert oder widerrufen.

Außerdem glaube ich nicht, dass ein Aktienrückkauf zum derzeitigen Zeitpunkt den gewünschten Effekt (steigende Kurse) hätte. Das in diesem Zusammenhang häufig gehörte Argument ist doch, dass es "kein rentableres Investment" gäbe und der "Net Asset Value" steigen würde und mit ihm zwangsläufig der Kurs.

Für das Unternehmen, und das hat gemäß §70 Aktiengesetz im Mittelpunkt der Tätigkeit des Vorstandes zu stehen, heisst Aktienrückkauf Liquiditätsentzug. Einer Ausgabe steht keine Einnahme entgegen, und wenn die Aktien eingezogen werden, ist das Kapital unwiederbringlich dahin. Das kann man nur verantworten, wenn sonst keine wie immer gearteten Massnahmen für das Unternehmen eine bessere Kapitalverwendung ermöglichen. In einer derartigen Situation sind wir aber derzeit nicht, siehe oben.

Mit dem NAV Argument geht man zudem von Annahmen aus, die sich im Markt nicht widerspiegeln. Wir haben in den letzten Quartalen den NAV deutlich erhöht - und der Kurs ist gesunken und liegt derzeit bei weniger als 50% des NAV. Das heißt ceteris paribus, dass ich derzeit mehr als doppelt so viel Geld durch Aktienrückkäufe in eine NAV-Steigerung investieren muss, als über den Kurs zurückkommt., wahrlich auch kein gutes Geschäft.

Zusammenfassende Antwort auf Ihre Frage: Wenn das Immobiliengeschäft in den von uns fokussierten Ländern so deutlich zurückgeht, dass keine vernünftigen Renditen mit Entwicklungen oder Ankäufen zu erwirtschaften sind und wir genügend Liquidität haben, kaufen wir Aktien zurück. Oder wir lösen Rücklagen auf und zahlen hohe Dividenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Eduard Zehetner

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